Man sollte meinen, dass man für Selbstverständlichkeiten keine Argumentarien benötigt. Bei den Kulturverantwortlichken unserer Stadt scheint dies etwas anders zu sein, daher hier eine Zusammenstellung von 6 guten Gründen gegen einen hässlichen Hochseekran an unserer schönen Limmat.

Der gesunde Menschenverstand ist wohl das probateste Mittel, um ausserhalb hochbezahlter Kulturkommissionen eine Plausibilitätskontrolle durchzuführen, ob es sich bei einem Projekt um einen interessanten Ansatz oder schlicht um eine Schnapsidee handelt.
Ein hässlicher Hochseekran an bester Lage am Zürcher Limmatquai ist eine Schnapsidee!

Die Schweiz und Zürich als Zentrum des Finanzplatzes steckt in der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten. Unsere Banken werden während Jahren keine Steuern abliefern, die Arbeitslosigkeit wird substantiell ansteigen, unzählige KMU-Betriebe kämpfen ums Überleben.
Der Kommentar der Stadtverwaltung, wonach das Hochseekran-Projekt noch vor der Finanzkrise geplant worden sei, zeigt nur noch mehr, wie gedankenlos unsere Stadtregierung mit Steuergeldern umgeht - bloss weil ein Projekt gestartet ist, soll man mit einem Abbruch nicht 2/3 der Kosten einsparen können?
In solchen Zeiten muss jeder Steuerfranken zweimal umgedreht werden und da investiert werden, wo er der Bevölkerung unserer Stadt am Besten hilft, die Krise durchzustehen. Ein hässlicher Hochseekran an unserer Limmat gehört da sicher nicht dazu.
Die kompletten Steuererträge von mehr als 120 durchschnittlichen Stadtzürcher Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern werden in einen hässlichen Hochseekran statt in die wirtschaftliche Stabilität unserer Stadt investiert. Dieser Affront an diesen mehr als 120 Steuerzahlern muss ein Ende haben. Sofort.

De gustibus non est disputandum, über Geschmack lässt sich nicht streiten, wussten schon die alten Römer. So mag es auch Leute geben, die der Ästhetik und inhaltlichen Ausdruckskraft eines Hochseekrans an der Limmat Positives abgewinnen mögen.
Dennoch ist die Grenze des guten Geschmackes für weite Teile der Bevölkerung da überschritten, wo unter dem Deckmantel der Kultur mitten in der schärfsten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte Symbole des Aussenhandels und der Arbeit von Zehntausenden ins Lächerliche gezogen werden und sich sogenannte Kulturexperten cüplitrinkend an einem mit Steuergeldern finanzierten Hochseekran an der Limmat ergötzen.
Jedem das seine - aber da, wo eine Installation stört (der Anblick eines hässlichen Hochseekrans ist für Bevölkerung und Anwohner eine Zumutung) und gedankenlos mit Steuergeldern umgegangen wird, werden Grenzen überschritten. Und dazu sagen wir entschieden nein.

Die Installation eines Hochseekrans bedingt Transporte durch halb Europa. Da werden die zum Teil extrem weit gehenden Anstrengungen in Zusammenhang mit Energieeffizienz und Ökologie der Stadt Zürich stark in Frage gestellt - die Energie, die mit viel Geld an einem Ort eingespart wird, verpufft (ebenfalls mit viel Geld) in einem hässlichen Hochseekran an der Limmat.
In Seemannssprache ausgedrückt: Seldwyla ahoi!
Die Stadtverwaltung weist in einer Stellungnahme an hochseekran.ch darauf hin, dass es "Ziel sei, einen Kran zu finden, der sowieso schon unterwegs" sei und "nun in Zürich Zwischenstation" mache. Wir halten an unseren Bedenken bis zum Beweis des Gegenteils fest.

Das Beurteilungsgremium erhofft sich durch das Projekt eine lebendige Diskussion, die die Menschen innehalten lässt und sie auffordern soll, sich intensiver mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen.
Dieses Ziel ist angesichts der Empörung breiter Bevölkerungskreise nun erreicht worden - die Emotionen geweckt und eine intensive Auseinandersetzung über die Frage, ob ein hässlicher Hochseekran an unserer Limmat als "Kunstwerk" installiert werden soll, findet - unter anderem auf dieser Website - statt.
Wieso also nochmals fast eine halbe Million Franken verschwenden, wenn das Ziel einer intensiven Diskussion schon längst erreicht ist?
Übrigens stehen wir auch mit dieser Plattform gerne auch für weitere Diskussionen zur Verfügung, kostenlos, ganz ohne Sitzungsgelder, Grafikagenturen und Kommunikationsexperten werden wir auch in Zukunft Hochseekräne und ähnliche kreative Kunstprojekte nach den hier erwähnten Kriterien beurteilen.

Auch wenn dies unsere Stadtregierung gerne vergisst oder als vernachlässigbare Randnote abtut - die Innenstadt ist nicht einfach ein ganzjähriger Unterhaltungspark, sondern vor allem auch ein Wohnquartier und das Zuhause von vielen Stadtzürcherinnen und Stadtzürchern, die bereits vielen Lärmbelastungen durch Grossbaustellen wie beim Stadelhofen/Neubau Opernhaus Parking oder durch bereits etablierte Veranstaltungen wie der Streetparade, dem Dörflifest, etc., die immerhin tausenden von Leuten Freude bereiten, ausgesetzt sind.
Lieber Herr Waser, Baulärm für das Aufbauen eines Hochseekrans und Schiffshörner aus der Ferne mögen für Sie eine kulturelle Bereicherung sein - für Anwohner sind diese einfach nur eine Zumutung!
Die Stadtverwaltung weist in einem Schreiben an hochseekran.ch darauf hin, dass die Aufbauarbeiten für den Kran bloss zwei Tage dauern würden und das 5 Sekunden dauernde Schiffshorn höchsteins einmal in der Woche zu hören sei.